EG – Nummer 5 8 8 - „Magnificat ..."

 

Magnificat

Mit den Worten Magnificat anima mea Dominum („Meine Seele preist den Herrn“) beginnt auf lateinisch der psalmartige Lobgesang Marias, mit dem sie, nach der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel zu Besuch bei ihrer Base Elisabeth, auf deren prophetischen Gruß antwortet. Das Magnificat ist eines der drei Cantica des Lukasevangeliums (Lk 1,46-55 EU).

Inhalt

Das Magnificat ist alttestamentlichen Lobliedern wie dem Gesang der Hanna (1 Sam 1,1-10) nachgebildet und greift sowohl wörtlich als auch indirekt Formulierungen aus den Psalmen und den Prophetenbüchern auf. Es setzt mit dem Lobpreis für Gottes Handeln an Maria ein (V. 46-49) und nimmt dann allgemeiner Gottes Heilshandeln in den Blick (V. 50ff). Am Schluss (V. 54+55) geht es um das Erbarmen Gottes für sein auserwähltes Volk Israel, das der Herr dem Stammvater Abraham und dessen Nachkommen verheißen hat. Das Handeln Gottes an Maria wird dadurch beispielhaft für ganz Israel und damit für die Kirche. Die Rolle Marias als Urbild und Vorbild der Kirche wird also zu Beginn des Lukasevangelium schon anfanghaft sichtbar.

Das Magnificat preist Gott als treuen, solidarischen und parteilichen Gott, dessen rettendes Eingreifen den Niedrigen und Hungernden gilt. Aus der Erfahrung früherer Heilstaten erwächst die Hoffnung, dass Gott auch künftig befreiend handeln und sich dadurch als der Große und Mächtige erweisen wird. Zugleich ist es eine scharfe Warnung an die Reichen und Hochmütigen, und an diejenigen, die als mächtig gelten und auf den Thronen dieser Welt sitzen.

Die Begnung zwischen Maria und Elisabeth (Lk 1,39-56) wird am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) und am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel (15. August) in der katholischen Kirche als Evangeliumstext gelesen. Der heilige Benedikt bestimmt das Magnificat in seiner Ordensregel als Teil der Vesper; das römische Brevier ist der Benediktsregel hierin gefolgt. So preist die Kirche täglich im Abendlob zusammen mit der Mutter des Herrn den barmherzigen und befreienden Gott

Musikalische Umsetzung

Viele Komponisten haben Magnificat-Vertonungen geschrieben. Das früheste mehrstimmige Fragment stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Danach gab es namhafte Werke mit diesem Titel von Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach (siehe Magnificat), Antonio Vivaldi, Carl Philipp Emanuel Bach, John Rutter und vielen anderen. Manche Komponisten haben mehrere Versionen geschaffen, angepasst an das Können der zur (Erst-)Aufführung vorgesehenen Chöre bzw. Solisten. Bedeutend ist auch das Deutsche Magnificat von Heinrich Schütz.

Bedeutung

Das Magnificat gilt als einer der großartigsten biblischen Texte und hat zu immer neuer Auseinandersetzung angeregt. Es nimmt die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und die „umwertende“ Bedeutung seines Kreuzes vorweg. Moderne Deutungen unterstreichen gern die Stärke Marias und den „revolutionären“ Aspekt ihres Liedes.


 

Griechischer Originaltext

Latein (Vulgata-Übersetzung)

Dieser Text wird in der westlichen Liturgie verwendet und gab ihm seinen Namen.

 

Deutsch (Einheitsübersetzung)

 

Deutsch (Luther)

Μεγαλύνει ψυχή μου τν Κύριον κα γαλλίασε τ πνεμά μου π τ Θε τ σωτρί μου, τι πέβλεψεν π τν ταπείνωσιν τς δούλης ατο. δο γρ π το νν μακαριοσί με πσαι α γενεαί. τι ποίησέ μοι μεγαλεα δυνατός κα γιον τ νομα ατο, κα τ λεος ατο ες γενες γενεν τος φοβουμένοις ατόν. ποίησε κράτος ν βραχίονι ατο, διεσκόρπισεν περηφάνους διανοί καρδίας ατν· καθελε δυνάστας π θρόνων κα ψωσε ταπεινούς, πεινντας νέπλησεν γαθν κα πλουτοντας ξαπέστειλε κενούς. ντελάβετο σραλ παιδς ατο, μνησθναι λέους, καθς λάλησε πρς τος πατέρας μν, τ βραμ κα τ σπέρματι ατο ες τν αἰῶνα.

Magnificat anima mea Dominum, et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo. Quia respexit humilitatem ancillae suae. Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes. Quia fecit mihi magna, qui potens est, et sanctum nomen eius. Et misericordia eius a progenie in progenies timentibus eum. Fecit potentiam in brachio suo, dispersit superbos mente cordis sui. Deposuit potentes de sede et exaltavit humiles. Esurientes implevit bonis et divites dimisit inanes. Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae. Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini eius in saecula. Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto, sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum. Amen.

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Magnificat anima mea Dominum

Ein Leben mit dem Glauben und aus dem Glauben zu führen, das ist es, was ich jeden Tag anstrebe. Das gelingt mal mehr und mal weniger, und in der einen wie der anderen Situation ist es Seine Gnade, die mich trägt. Manchmal kann ich dann gar nicht mehr anders, als Gott mit den Worten Mariae zuzujubeln.